Amoklauf von Winnenden: Eltern von Tim K. treffen Opfer-Familien

Sie haben sich in persönlichen Briefen an die Hinterbliebenen der Opfer ihre Sohnes Tim K., des Amokläufers von Winnenden, gewandt. Die Eltern des Todesschützen, der im März 15 Menschen tötete, zwei Polizeibeamten schwer verletzte und sich selbst hinrichtete, haben den Opfer-Familien ein Treffen angeboten.

Jetzt die erstaunliche Wende: Tatsächlich wollen sich Opfer-Familien mit den Eltern von Tim K. persönlich treffen.

Wird es eine Aussprache geben ? Oder nur Vorwürfe, Aggressionen ?

Die Aussprache solle in „absehbarer Zeit“ stattfinden, sagte Hardy Schober. Er ist Vorsitzender des Aktionsbündnisses Amoklauf Winnenden, das aus den betroffenen Familien der insgesamt 15 Opfer besteht und u.a. ein Verbot von Killerspielen fordert. Schober verlor bei der Bluttat seine Tochter Jana († 15).

Die Eltern von Tim K. Hatten in ihren Schreiben ihr Mitgefühl mit den Opfer-Familien bekundet und erklärt, dass sie selbst schwer an der Tat zu tragen hätten. Es „zerreiße“ sie, heißt es in dem Schreiben. Es tut ihnen leid.

Als Reaktion auf das Schreiben sagte Hardy Schober, es sei mehr von Selbstmitleid als von Mitgefühl für die Betroffenen geprägt: „Der Brief ist ein rein taktischer Versuch der Eltern, damit das strafrechtliche Verfahren gegen sie eingestellt wird.“

Es wird wegen fahrlässiger Tötung ermittelt, weil die Tatwaffe, eine Beretta, wohl ungesichert im Schlafzimmer gelegen hatte.

Enttäuscht zeigte er sich auch, weil der Brief unverzeihliche Fehler enthalte – die Namen einiger Kinder seien vertauscht worden.

Ein erster Brief von Tims Eltern, in dem sie ihr Mitgefühl ausdrücken, aber auch ihre Fassungslosigkeit beschreiben, war sechs Tage nach dem Amoklauf nur als offener Brief über die Medien veröffentlicht worden.

Jetzt haben sich die Opfer-Familien aber dennoch dazu bereit erklärt, sich mit den Eltern von Tim K. zu treffen.

Wann genau es zu einem Treffen kommen soll, ließ Schober offen.

Das Massaker liegt inzwischen fast fünf Monate zurück. Am 11. März war Tim K. schwer bewaffnet in seine ehemalige Schule, die Albertville-Realschule in Winnenden, eingedrungen. Eiskalt, wie bei einer Exekution, feuerte er mit einer Beretta-Pistole um sich. Acht Schülerinnen, ein Schüler, drei Lehrerinnen starben an der Schule. Drei weitere Menschen tötete er auf seiner Flucht, bevor er sich in Wendlingen an einem Autohaus das Leben nahm.

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