Asche-Wolke aus Island: Air Berlin kritisiert Flugverbot wegen fehlender Messungen

Der nord-und mitteleuropäische Luftraum ist seit rund 72 Stunden gesperrt. Satte 17 000 der geplanten 22 000 Flüge sind allein am Samstag ausgefallen. Der Grund: Das Flugverbot wegen der Asche-Wolke aus Island !

Jetzt erhebt Joachim Hunold, Chef von Air Berlin, schwere Vorwürfe. Er hält das strikte Flugverbot für völlig übertrieben und schlecht recherchiert.

Hunold in der Bildzeitung: „Die Schließung des Luftraums erfolgte ausschließlich aufgrund der Daten einer Computersimulation beim Vulcanic Ash Advisory Centre in London“

Das ist dem Airline-Chef viel zu wenig !

Tatsächlich habe der Deutsche Wetterdienst nur auf Grund dieser Daten mit Vulkan-Asche belastete Gebiete errechnet. Eine tatsächliche Überprüfung der Gebiete stehe noch aus.

Ist das Flugverbot also völlig unangemessen und übertrieben ?

Hunold schimpft weiter über die dürftigen Messungen im deutschen Luftraum: „Es ist in Deutschland noch nicht mal ein Wetterballon aufgestiegen, um zu messen, ob und wie viel Vulkanasche sich in der Luft befindet.“

Das ganze Chaos also ganz umsonst ?

Erst am Montag sollen weiterführende Untersuchungen durchgeführt werden, die über den Asche-Gehalt im deutschen Luftraum aufklären werden. Wie die Bildzeitung berichtet, gibt es ein Forschungsflugzeug des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR), das bislang aber noch nicht eingesetzt werden konnte, weil Messgeräte fehlten.

Verkehrsminister Peter Ramsauer kündigte gestern an, am Montagabend ein Flugzeug mit Wissenschaftlern des Instituts für Atmosphärenphysik in Oberpfaffenhofen starten zu lassen.

Auch Messungen am Boden konnten bislang nicht flächendeckend stattfinden. Von den sechs Lasermessgeräten des deutschen Wetterdienstes ist zurzeit nur eins in München einsatzbereit, fünf andere Geräte, u. a. in Hamburg, Berlin und Essen, befinden sich zeitgleich in der Wartung.

Die Deutsche Lufthansa schloss sich der Kritik des Air-Berlin-Chefs an.

„Wir haben heute zehn Überführungsflüge von Großraumjets der Typen Boeing 747 und Airbus 340 von München nach Frankfurt durchgeführt. Dabei sind unsere Maschinen bis auf 24 000 Fuß, also rund 8000 Meter Höhe, gestiegen“, so Konzernsprecher Klaus Walther in der Bildzeitung.

„In Frankfurt wurden die Maschinen von unseren Technikern untersucht. Weder auf den Cockpitscheiben, an der Außenhaut noch an den Triebwerken fanden sie auch nur den kleinsten Kratzer.“ Walther weiter: „Durch das Flugverbot, das ausschließlich auf Computerberechnungen beruht, entsteht ein volkswirtschaftlicher Schaden in Milliardenhöhe. Darum fordern wir für die Zukunft, dass vor einem Flugverbot verlässliche Messungen vorliegen müssen.“

Sollte das Flugverbot aufgehoben werden, werde es laut Experten zwischen drei und sieben Tagen dauern, bis sich der Flugverkehr wieder normalisiert hat.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.