Erdbeben auf Haiti: 500 000 Tote – Es drohen Seuchen !

Einen Tag nach dem verheerenden Erdbeben im Inselstaat Haiti in der Karibik, hat sich das Chaos in dem armen Land zunehmend verschlimmert. Am Straßenrand türmen sich die Leichen, zahlreiche Verletzte erhalten keine medizinische Hilfe, es bahnt sich eine humanitäre Katastrophe mit Seuchen und Epidemien an.

Plünderungen, Tod, Schmerz und Verzweiflung bestimmen die Stimmung vor Ort. Immer mehr zahlreiche Bilder der verheerenden Verwüstung gehen um die Welt. So gut wie nichts der alten, dürftigen Strukturen hat noch Bestand. Haiti gleicht einem Trümmermeer.

Der Fokus der Berichte liegt auf der Haupstadt Port-au-Prince. Aus den umliegenden Gebieten dringen so gut wie keine Meldungen durch. Doch allein die Hauptstadt schockiert tief. Sie ist beinahe dem Erdboden gleich gemacht.

Es gibt nichts mehr, keine Schulen, keine Krankenhäuser, kein Parlament, kein UN-Hauptquartier, geschweige denn Wasser-, Strom- oder Telefonversorgung. Keine Geschäfte, keine Waren. Medizinische Versorgung sowieso nicht.

Immernoch hört man Hilferufe. Sie sind nicht mehr so laut, wie 24 Stunden zuvor, meist nur noch ein leises Winseln. Mancher versucht mit bloßen Händen Menschen unter den Trümmern zu bergen, andere haben bereits aufgegeben.

Nach ersten Hochrechnungen am Mittwoch, war die Rede von mehr als Hunderttausend Toten, am Donnerstag spricht man nun von vermutlich rund 500 000 Toten.

Und es könnten noch viel mehr werden, wenn den Überlebenden nicht bald geholfen wird. Die unzähligen Leichen, die mangelnde Versorgung mit Nahrung und sauberem Wasser könnte eine neue Katastrophe heraufbeschwören.

„Alle Krankenhäuser und Leichenhallen sind voll“, so der haitianische Präsident Réné Préval. Die Schäden seien „unvorstellbar“.

Die Leiterin des örtlichen Büros der Hilfsorganisation Care in Haiti, Sophie Perez, berichtet von zahlreichen eingestürzten Schulen: „Die Kinder waren zu der Zeit noch in der Schule, viele dürften noch unter den Trümmern liegen.“

Helfen kann ihnen niemand. Niemand ist zuständig, niemand hat das notwenige Gerät.

Auch der Chef der UN-Friedensmission in Haiti, der Tunesier Hedi Annabi, kam ums Leben, ebenso mindestens 14 Blauhelme der Vereinten Nationen.

Das UN-Hauptquartier wurde bei dem Beben (Stärke 7,0) zerstört – über 200 werden noch vermisst.

Die deutsche Journalistin Anne Rose Schön lebt seit zehn Jahren auf Haiti. Sie erlebte das Grauen in der Hauptstadt Port-au-Prince: „Von der Stadt sind 50 Prozent zerstört. Die Leute helfen sich alle selbst. Es ist das totale Chaos.“

Sie befürchtet das Schlimmste: „Im Moment haben die Menschen nur Durst. Aber wenn auch noch der Hunger kommt, dann haben wir hier bald die Apokalypse.“  Plünderungen sind die Hauptbeschäftigung der Überlebenden, wenn es denn irgendwo noch etwas zu holen gibt.

Die internationale Hilfe ist zwar bereits in die Wege geleitet. Doch vor Ort ist davon noch nichts zu sehen.

Viele Hilfsorganisationen sind bereits auf dem Weg ins Katastrophengebiet, die US-Armee schickt den Flugzeugträger„USS Carl Vinson“ , Schiffe, Flugzeuge und Helikopter.

US-Präsident Barack Obama sagte in Washington, er habe den Regierungsbehörden Anweisung gegeben, in einer „raschen“ und „koordinierten“ Anstrengung Menschenleben in Haiti zu retten. US-Außenministerin Hillary Clinton brach eine Asienreise ab, um von Washington aus die US-Hilfe zu koordinieren. Clinton verglich das Erdbeben in Haiti mit der Tsunami-Katastrophe Ende 2004 im Indischen Ozean, der mehr als 220 000 Menschen zum Opfer gefallen waren.

Die UNO mobilisierte 37 Such- und Bergungsteams. Die Weltbank stellte 100 Millionen Dollar (knapp 69 Millionen Euro) an Soforthilfe für das Land bereit.

Haiti ist eines der ärmsten Länder der Welt. Einzige Einnahmequelle des Staates: Der Tourismus, doch von den Hotels in der Hauptstadt ist keines mehr bewohnbar.

Schon ohne das verheerende Erdbeben vom 13. Januar litt das Land an den Folgen von schweren Überschwemmungen, Überbevölkerung, Verelendung und schlechten hygienischen Verhältnissen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.