Erdbeben auf Haiti: Leichen-Bagger schaufeln Massengräber

Die Zustände im Inselstaat Haiti in der Karibik sind nach dem schweren Erdbeben vom Mittwoch chaotisch. Um die Verbreitung von Krankheiten und eine Verunreinigung des Grundwasser zu vermeiden, werden jetzt die in den Straßen aufgetürmten Leichen-Haufen entsorgt.

Hierzu fahren Bagger durch die Straßen und schieben massenweise Leichen in riesige, anonyme Gräber. Es gibt keine Aufzeichnungen, wer wo verscharrt wird.

Erste Priorität hat die Verhinderung von Seuchen.

Unterdessen spitzt sich die Situation weiter zu. Es gibt kein Wasser, keinen Strom, kein Telefon, keine Nahrung, keine medizinische Versorgung, es herrscht überall eine aggressive Stimmung. Menschen versuchen ihre letzten Vorräte an Lebensmitteln und persönlicher Habe vor Dieben und Plünderern zu schützen.

Mitarbeiter verschiedener Hilforganisationen sind jetzt aber im Krisengebiet eingetroffen, haben mit ihrer Arbeit begonnen – und wollen im unsäglichen Leid einfach nur helfen.

Nach Schätzung des Roten Kreuzes starben bei dem Killer-Erdbeben rund 50 000 Menschen. In den vielen Straßen liegt Verwesungsgeruch in der Luft.

Die Maßnahme der Leichen-Bagger ist unumgänglich und dringend notwendig um noch größere Probleme zu verhindern.

Schaulustige beobachten die Arbeiten. Sie selbst haben bei dem verheerenden Erdbeben der Stärke 7,0 wohl all ihr Hab und Gut verloren – aber wenigstens ihr Leben behalten.

Nach Ansicht des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) wäre es gar nicht nötig, die vielen Leichen so schnell zu beerdigen oder zu verbrennen.

„Es gibt das weit verbreitete Vorurteil, dass Leichen die Ursache für Epidemien bei Naturkatastrophen sein können“, sagt IKRK-Forensikexpertin Ute Hofmeister.  Aber: „Die Leichen von Menschen, die bei Naturkatastrophen sterben, verbreiten keine Krankheiten. Denn diese Menschen sind an einem Trauma und nicht an einer Krankheit gestorben.“  Tatsächlich verschlimmere die Ungewissheit über den Verbleib von Verwandten nur das Leid der Hinterbliebenen.

Doch das Chaos lässt eine Diskussion über derartige Fragen gar nicht zu …

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