Erdbeben auf Haiti: So gigantisch ist das Elend

Erste Augenzeugen berichten über äußerst brüchige Internet-Telefon-Verbindungen von den Zuständen im Inselstaat Haiti in der Karibik. Ein äußerst schweres Erdbeben erschütterte in der Nacht das Land und richtete verheerende Schäden an.

Nach Tagesanbruch ist jetzt das ganze, höllische Ausmaß der Verwüstung zu erkennen. Fast alle wichtigen Gebäude der Hauptstadt sind beschädigt, wenn nicht gar eingestürzt. Es gibt kein Wasser, keinen Strom, kein Telefon. Plünderungen sind die Tagesbeschäftigung der verängstigten Bevölkerung.

Schreiend, weinend und betend laufen die Menschen orientierungslos durch die Straßen. Vielen steht die Angst ins Gesicht geschrieben. Immer wieder erschütterten in der Nacht Nachbeben die Region.

Überall sind Schreie zu hören, Menschen schleifen Verletzte durch die Gegend, – und unzählige Tote.

„Die Toten werden in Hunderten gezählt werden müssen“, sagte ein Arzt resignierend, der bei dem Erdbeben selbst verletzt wurde.

Frantz Aimé fuhr gerade durch Port-au-Prince, als die Erde bebte: „Ich spürte die Erschütterung im Auto. Dann sah ich die Menschen auf der Straße einfach umfallen.“

Der Mitarbeiter von Malteser International weiter: „Die Slums auf den Hügeln sind bei dem Erdstoß wie in einer Schlammlawine komplett abgerutscht, weil unsere Hauptstadt durch die Bodenerosion keinen stabilen Untergrund hat.“

Massive Gebäude wie der Präsidentenpalast, Ministerien und die Kathedrale sind zerstört.

Der Koordinator der Deutschen Welthungerhilfe in Haiti, Michael Kühn, berichtet, wie die Menschen nach dem Beben reagierten. „Sie sind schreiend und betend durch die Straßen gelaufen. Redeten zu Gott, dass sie es überlebt haben und gingen auf die Suche, denn die Telefonleitungen waren alle tot. Sie machten sich zu Fuß auf den Weg, um herauszufinden, was mit ihren Familienangehörigen passiert ist.“

Etwa zwei Stunden vor dem ersten Erdstoß gab es nach Augenzeugenberichten erste Anzeichen für das Beben: „In Port-au-Prince sind alle Hähne durchgedreht, sie krähen zu jeder Tageszeit“, notierte die kanadische Journalistin Chantal Guy in ihrem Facebook-Profil. Etwas später fügte sie hinzu: „Und die Hunde heulen, dass es einem das Herz zerreißt.“

Die Hauptstadt gleicht einem Szenario aus einem Horrorfilm. Es ist wie im Krieg. Überall Trümmer, Verletzte, Tote. Die Straßen sind auf Grund der eingestürzten Mauern unpassierbar. Die wenigen verbliebenen Krankenhäuser sind überfüllt. Die Medikamente werden bereits knapp.

Henry Bahn vom US-Landwirtschaftsministerium sah, wie Häuser einfach in eine Schlucht stürzten: „Sie ist voller Mauerstücke, Trümmer und Stacheldraht.“ Er konnte unmittelbar nach dem Erdstoß kaum etwas sehen: „Der Himmel ist voller Staub und ganz grau.“

Ingo Radtke von Malteser International: „Wir müssen jetzt erst mal die Helligkeit abwarten, um eine Schadenbilanz zu machen. Noch ist der Flughafen in Port-au-Prince gesperrt. Wir versuchen aber, über den Landweg aus der Dominikanischen Republik Hilfskonvois in das Katastrophengebiet zu schicken.“

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