Ermittlungsverfahren um Loveparade: Keiner übernimmt Veranwortung

Die Loveparade in Duisburg hat bundesweit nur Trauer hinterlassen. 19 Tote, 342 teils schwer Verletze, das ist das Ergebnis der eigentlich so fröhlichen Techno-Raver-Party. Die Loveparade ist mit den Todesopfern gestorben. Niemals wieder soll sie auferstehen.

Die Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, untersucht jetzt die Umstände, die zu den zahlreichen Todesopfern der Massenpanik am Samstag führten, doch Veranwortung für die grausige Tragödie will bislang niemand übernehmen.

Alle Verantwortlichen der Mega-Veranstaltung weisen bislang rigoros und geschlossen jedes Verschulden von sich.
Doch die Staatsanwaltschaft hat brisante Akten beschlagnahmt. Demnach hatten die Veranstalter für ihre Party nur 500 000 Menschen angemeldet, der Stadt sogar nur 250 000 Besucher. Und entsprechend war die Veranstaltung auch genehmigt worden, allerdings nicht für 1,4 Millionen Besucher, die schließlich am Samstag durch Duisburg strömten. Das ist Informationen der Deutschen Polizeigewerkschaft zu entnehmen.

Und so reden sich Verantwortliche heraus:

• Loveparade-Geschäftsführer Rainer Schaller: „Das Sicherheitskonzept, das mit der Polizei und der Stadt aufgestellt wurde, hat eigentlich hier keine Bedenken ergeben.“

• Auch Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland wies jede Schuld von sich: Es „lag nicht am Sicherheitskonzept, das nicht gegriffen hat, sondern wahrscheinlich an individuellen Schwächen.“

• Wolfgang Rabe, Leiter des Krisenstabs: „Der gesamte Weg ist genehmigt und abgesprochen worden. Der Festplatz war zu keinem Zeitpunkt gefüllt.“

• Gewerkschafts-Sprecher Orscheschek: „Man wollte durch ein besonderes Sicherheitskonzept die Massen entzerren. Man baute lange Umwege und unterwegs Bühnen, damit dort schon Menschen stehen bleiben. Außerdem hoffte man, dass die ersten schon wieder gehen, wenn die große Masse kommt. Diese Hoffnungen haben sich nicht erfüllt. Im Präsidium hatten alle Bedenken und Sorgen vor diesem Tag.“

• Wolfgang Orscheschek (51) von der Polizeigewerkschaft: „Der Veranstalter hat 500 000 Menschen angemeldet, wir haben sogar mit 1,5 Millionen gerechnet. Das Gelände ist groß genug für 250 000 Menschen. Wer diese Zahlen kennt, musste wissen: Das passt nicht!“ Der Trick: in der Planung war man einfach davon ausgegangen, die 500 000 Besucher würden sich über die gesamte Stadt verteilen!

• Polizeipräsident Detlef von Schmeling: „Die Polizei hat sehr intensiv in den Besucherstrom eingegriffen. Zum Zeitpunkt des Unfallgeschehens gab es noch Bewegungsmöglichkeiten auf der Rampe.“

Die schwersten Vorwürfe erhebt Thomas Wenner (62), früherer Polizeipräsident von Bochum.
Er glaubt, dass die Verantwortlichen die Gefahr kannten, sagt: „Ich zeige den Oberbürgermeister der Stadt Duisburg, die leitenden Beamten der Stadt und die Veranstalter an.“

In den vergangenen Jahren hatte er persönlich einmal die Loveparade für Duisburg abgesagt, verboten – aus Sicherheitsgründen !! „Ich wollte die Sicherheit nicht opfern auf dem Altar der Spaßgesellschaft. Genau das ist nun geschehen.“

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