Frechheit: Apotheken spionieren Kunden aus !

In Sachsen haben Apotheken ihre Kunden ausspioniert und nach bestimmten Auffälligkeiten der Polizei gemeldet.

Bislang galt der Apothker um die Ecke für viele als Vertrauensperson, mit der man auch mal über peinliche und intime, körperliche Details sprechen kann oder muss. Dieses Vertrauen haben Sachsen Apotheker jetzt ganz – nach Stasi-Manier – missbraucht.

Sie meldeten Patienten und Käufer bestimmter Grippemittel der Kripo.

Dabei geht es u.a. um die Erkältungs-Mittel Reactine Duo (14 Stück, um 8,65 Euro) und Rhinopront Kombi (20 Stück, um 5,65 Euro). Beide sind rezeptfrei in den rund 1000 sächsischen Apotheken erhältlich.

Allerdings enthalten sie den Wirkstoff Pseudoephedrin, den man zur Herstellung der Designerdroge Crystal verwenden kann.

In einem Rundschreiben forderte die sächsische Apothekerkammer ihre Mitglieder sogar zur Spionage auf:

Rundschreiben 12/2009: „Wir bitten Sie, sachdienliche Hinweise zu Anfragen/Bestellungen/(Online-) Kauf nicht theraphiekonformer Mengen dieser Arzneimittel umgehend an das Landeskriminalamt zu melden.“

Bedeutet: Wer mehr als zwei Packungen kauft, ist schon verdächtig.

Tatsächlich gingen offenbar zahlreiche Hinweise ein.

LKA-Sprecherin Silvaine Reiche (35): „Insgesamt 46 Ermittlungsverfahren wurden daraufhin eingeleitet. Der Anstoß zur Kooperation mit den Apotheken kam vom Bundeskriminalamt.“  Insgesamt 69 Meldungen wurden von Apothekern gemacht, inklusive Namen der Besteller.

Ein Apotheker wollte bei der Spitzelaktion nicht mitmachen, zeigte seine Kammer beim Sächsischen Datenschutzbeauftragten (Az.: 1280/04) an. Datenschützer Andreas Schneider (45): „Apotheker unterliegen wie Ärzte einer Schweigepflicht. Wir haben die Kammer aufgefordert, keine personenbezogenen Daten an die Polizei zu übermitteln.“

Der Präsident der Apothekenkammer, Friedemann Schmidt (43, bekannt aus der MDR-Sendung „Hauptsache Gesund“) verteidigt seine Aktion: „Wir sind keine Denunzianten. Unsere Schweigepflicht ist aber nicht dazu da, Straftaten zu decken. Die Einnahme von mehr als zwei Packungen ist gesundheitsschädlich. Daher entsteht der Verdacht von Medikamentenmissbrauch oder kriminellem Verhalten.“

Die Kammer hat ihren Apothekern jetzt geraten, keine Namen mehr weiter zu geben …

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