Hansa Stavanger: Kapitän erzählt über Geisel-Hölle

Die Hansa Stavanger ist nach vier-monatiger Geiselhaft in der Hand von somalischen Piraten wieder frei. 2,7 Millionen Dollar Lösegeld wurden bezahlt. Unendlich lange musste die Mannschaft ausharren.

Jetzt hat Kapitän Krzystof Kotiuk sein Schweigen gebrochen. Er gab dem ARD-Magazin „Panorama“ ein erstes Interview per Telefon und erzählt über die Geisel-Hölle.

Die Hansa Stavanger befindet sich derzeit auf dem Weg nach Bombasa in Kenia. Sie wird von europäischen Kriegsschiffen begleitet.

Der Kapitän über die Geiselnehmer: „Nonstop waren schwere Maschinenpistolen auf unsere Köpfe gerichtet. Das war Psychoterror rund um die Uhr.“

Dann spielten die Piraten den Männern Scheinhinrichtungen vor.

Ihm selbst wurde zweimal gesagt, dass er erschossen werden solle: „Die Männer zielten mit Gewehren auf mich und mir wurden die Augen verbunden. Ich war pitschnass vor Angst und stand kurz vor einem Herzinfarkt.“ Einer der Offiziere sei bei einer solchen Aktion zusammengebrochen.

Die Piraten seien besonders nervös und aggressiv gewesen, wenn Helikopter über dem Schiff kreisten. „Sie haben uns als menschliche Schutzschilde missbraucht.“

Auch von der kurzfristig abgesagten Befreiungsaktion der GSG 9 habe er an Bord gehört, die Piraten hätten den geplatzte Einsatz über BBC Somalia mitbekommen.

Der Kapitän ist sich sicher: „Die Befreiungsaktion hätte keinen Erfolg gebracht, im Gegenteil, es hätte ein Blutbad gegeben. Unsere ganze Mannschaft war ja auf der Brücke verteilt, es hätte viele Tote gegeben!“

Besonders dramatisch: Die Versorgung mit dem nötigsten an Board.

Die Seeleute erhielten kein normales Essen mehr, nur Reis. Den hatten die Piraten aus den geladenen Containern gestohlen.

Hin und wieder hätten Somalis Ziegen auf das Schiff gebracht. Die Besatzung habe davon nur wenig abbekommen. „Das waren maximal zwei Kilo Fleisch und ein paar Knochen, für 24 Mann.“

Außerdem hatten die Geiseln nur eine Toilette, die mit der Zeit schwer verstopfte.

Wasser habe es an Bord nur von schlechter Qualität gegeben. Man habe das Schwitzwasser aus der Klimaanlage gesammelt. Zum Duschen und Putzen reichte es nicht.

„Alles war sehr dreckig. Wir mussten uns mit 40 Personen eine Toilette teilen, die war ständig verstopft und wurde nie gesäubert.“

Die Spuren der Strapazen seien der Mannschaft deutlich anzusehen. Alle seien müde und erschöpft.

Generell ginge es dem Kapitän und seiner Mannschaft aber dem Umständen entsprechend gut. „Wir sind alle sehr müde und froh, dass es vorbei ist. Das hat einfach zu lange gedauert.“

Die „Hansa Stavanger“ war am 4. April 2009 von Piraten gekapert worden. Vier Monate lang befand sich das Schiff in der Hand der Seeräuber.

Am 3. August hatten die Piraten den Frachter verlassen. Die Reederei soll zwei Millionen Euro Lösegeld gezahlt haben.

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