Inzest von Amstetten: Jetzt spricht Tochter Elisabeth

Elisabeth Fritzl (42) das Hauptopfer im Inzestfall von Amstetten, ist bei den nicht öffentlichen Teilen des Prozesses gegen Inzest-Tyrann Josef Fritzl (73) im Gerichtssaal anwesend gewesen. Nachdem ihr Vater überraschend ein vollumfängliches Geständnis ablegte, meldet sich jetzt Elisabeth Fritzl selbst zu Wort.

Sie wünscht sich, dass ihr Vater bis zu seinem Tod niemals wieder aus dem Gefängnis herauskommen wird ! Die Anwältin des Inzest-Opfers gab die Worte ihrer Mandantin vertretungsweise an die Öffentlichkeit weiter.

Die Staatsanwältin forderte in ihrem Plädoyer die Höchststrafe für den 73-Jährigen, der Verteidiger verneinte den Mordvorwurf. Damit sind die Vorträge im Prozess gegen Josef Fritzl abgeschlossen. Jetzt beraten die Geschworenen.

Das Urteil soll am frühen Nachmittag nach Abschluss der Beratungen der Geschworenen fallen. Fritzl hat gestanden, seine Tochter Elisabeth 24 Jahre in einem Kellerverlies eingesperrt und dort sieben Kinder mit ihr gezeugt zu haben. Von den Kindern starb eines kurz nach der Geburt wegen fehlender ärztlicher Hilfe. In seinem Schlusswort bekundete Fritzl Reue. „Es tut mir leid von ganzem Herzen. Ich kann es leider nicht mehr gut machen.“

Die Anwältin von Tochter Elisabeth Fritzl machte erneut deutlich, dass ihre Mandantin vor allem im Gedenken an ihr verstorbenes Kind „Michael“ an dem Prozess aktiv teilgenommen habe. Eigentlich habe sich Elisabeth nicht öffentlich äußern wollen. Die Meinung der 42-Jährigen habe sich aber durch das überraschende umfassende Geständnis ihres Vaters geändert. Wie die Opfer-Anwältin sagte, hatte sich Elisabeth Fritzl ihre Zeugenvernehmung per Video gut überlegt. Sie hätte sich diese belastende Vernehmung sparen können, da ihr Vater mit hoher Wahrscheinlichkeit auch ohne diese in eine geschlossene psychiatrische Anstalt eingewiesen worden wäre. Dass sie dennoch ausgesagt habe, begründete sie mit dem 1996 nur 66 Stunden nach seiner Geburt durch fehlende ärztliche Betreuung verstorbenen Michael.

Von den Vorwürfen gegen Josef Fritzl blieben jene des Mordes und der Sklaverei in den Plädoyers umstritten. Staatsanwältin Christiane Burkheiser sagte, Fritzl habe seine Tochter in völlige Abhängigkeit gebracht, was Sklaverei sei. Auch der Mord an Michael sei eindeutig. Die Einlassung von Fritzl sei kein Geständnis gewesen.

Dagegen sagte Verteidiger Rudolf Mayer, „von einer Täuschung kann überhaupt keine Rede sein“. Er bestätigte, dass Elisabeth Fritzl beim nicht-öffentlichen Teil der Verhandlung auf den Zuschauerbänken saß und nannte dies einen geschickten Schachzug des Gerichts. Angesichts der Videobänder und der persönlichen Anwesenheit seiner Tochter sei er zusammengebrochen und habe sich zum Geständnis entschlossen.

Mayer wies den Mordvorwurf gegen seinen Mandanten zurück. Auch der Vorwurf der Sklaverei sei zumindest strittig, der Gesetzgeber habe diesen Paragraphen eigentlich auf Handel mit Menschen bezogen. Mayer forderte die Geschworenen auf, das Geständnis und die von einer Psychiaterin diagnostizierte Persönlichkeitsstörung strafmildernd zu berücksichtigen.

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