Kampusch-TV-Geständnis: Immer nur ein Täter

Am Montagabend hat das Entführungsopfer Natascha Kampusch noch einmal öffentlich zu dem Verbrechen Stellung genommen, dessen Opfer sie vor 11 Jahren wurde. Es war erhofft worden, dass die heute 21-Jährige möglicher Weise mit einer spektakulären Enthüllung aufwarten könnte.

Doch wieder lieferte Kampusch nur wage Aussagen zu ihrer Entführung. Die neuerlichen Ermittlungen gaben bislang nur ein nennenswertes, neues Erkenntniss. Es gab zum Schluss einen Mitwisser. Im Verhör gestand der Freund des Entführers Wolfgang Priklopil, Ernst H., dass ihm Priklopil eine Lebensbeichte gemacht und alles gestanden habe.

Ob Priklopils Freund Ernst H., als Zweittäter infrage kommen könnte, könne Natascha Kampusch „so nicht beantworten“, so das Entführungsopfer. „Ich habe ihn nie als Täter wahrgenommen.“ Außerdem habe sie ihn erst gegen Ende ihrer Gefangenschaft im Jahr 2006 kennengelernt, „als der Täter mich in ein – für ihn – normales Leben integrieren wollte“. „Das hat zu einem kurzen Handgruß gereicht.“

Ernst H. sagte bei einer Einvernahme durch die Polizei aus, dass ihm sein Freund Priklopil kurz vor dessen Selbstmord seine Taten gestanden hatte. Das berichtete H.s Anwalt, der seinen Mandanten nun vom Vorwurf der Mittäterschaft entlastet sieht. Und er nannte angeblich auch einen Grund, warum H. erst jetzt sein Schweigen gebrochen hat. Dieser ist bislang allerdings der Öffentlichkeit nicht bekannt

Natascha Kampusch setzte sich in der TV-Sendung „Thema“ aber am Montagabend erneut stark gegen das Gerücht zur Wehr, sie werde erpresst. Sie betonte sehr deutlich, nicht von Unbekannten unter Druck gesetzt zu werden: „Ich werde nicht erpresst“, so Kampusch.

Die Existenz von pornografischen Videos aus ihrer Gefangenschaft bestreitet sie ebenfalls: „Die gibt’s nicht.“ Sie habe immer nur ihren Entführer Wolfgang Priklopil gesehen, betonte die junge Frau erneut: „Da war immer nur ein Täter.“

Ihre Vernehmungen durch die Polizei hätten die junge Fraus sehr mitgenommen, berichtet Kampusch. „Es war sehr anstrengend, weil das zweimal acht Stunden waren, einmal in Graz, einmal in Wien. Ich bin froh, dass so einige Missverständnisse ausgeräumt werden konnten.“

Die Ermittlungen befürworte sie jedoch, „da ich auch an Aufklärung interessiert bin“. Allerdings bezweifelt das Entführungsopfer, dass es in dem Fall jemals Klarheit geben werde.

Über die umstrittenen öffentlichen Aussagen des Leiters der Evaluierungskommission, Ludwig Adamovich, zeigte sich das Entführungsopfer im „Thema“-Interview verärgert: „Darüber bin ich zunächst sehr empört. Ich verstehe nicht, wie sich Außenstehende so was anmaßen. Das ist für mich unverständlich.“

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