Michelle aus Leipzig: 9 ½ Jahre Haft für ihren Mörder

Am Freitag fiel am Landgericht in Leipzig das Urteil über den Mörder der kleinen Michelle, die im Sommer 2008 von einem 18-jährigen verschleppt, missbraucht und ermordet worden war.

Der Angeklagte Daniel V. wurde nach Jugendstrafrecht verurteilt, weil er zum Tatzeitpunkt erst 18 Jahre alt gewesen war und nicht über die Reife eines Erwachsenen verfügte. Die mögliche Höchststrafe lag bei 10 Jahren.

Das Gericht verurteilte Daniel V. zu einer Haftstrafe von 9 ½ Jahren und blieb damit nur knapp unter der möglicher Höchststrafe.

„Das Leben von Michelle war ihm gleichgültig“, sagte der Vorsitzende Richter Norbert Göbel. Sein Geständnis, sein Täterwissen und eine Reihe von Indizien hatten an der Schuld des Angeklagten Daniel V. (19) keine Zweifel gelassen.

Staatsanwalt Müller hatte sich in seinem Plädoyer tief erschüttert gezeigt. Seit mehr 20 Jahren sei er beruflich mit Kapitalverbrechen konfrontiert, aber: „Eine Tat mit solcher Grausamkeit habe ich in dieser Zeit nicht erlebt.“

Ganz bewusst habe sich Daniel V. die kleine Michelle als Opfer ausgesucht. Er wollte seine sexuellen Fantasien mit ihr befriedigen. An Mädchen in seiner Alterklasse war der 18-jährige offenbar gescheitert.

Um sein Opfer gefügig zu machen, flößte er Michelle mit einem Trichter Wein ein. Müller: „Dabei hat er ihr mehrere Zähne im Unterkiefer herausgebrochen.“ Trotz der Gegenwehr befanden sich im Blut des Mädchens 0,83 Promille Alkohol – eine erschütternde Dosis für ein kleines Kind.

Die Obduktion ergab schließlich: Daniel V. hat das Mädchen mehrmals brutal vergewaltigt, ihm mehrere Rippen gebrochen und es am Hals gewürgt.

Der Staatsanwalt geht davon aus, dass Daniel V. sehr wütend war – weil sich Michelle gegen seine Attacken wehrte, weil sie fliehen wollte. Deshalb, und um das Verbrechen zu vertuschen, habe er Michelle gewürgt, bis sie tot war.

Für die kleine Michelle muss das Verbrechen ein fürchterlicher Todeskampf gewesen sein, schließt der Staatsanwalt. Sie sei nicht unmittelbar tot gewesen –  „das dauert nicht Sekunden, sondern Minuten“.

Daniel V. hatte sich das Plädoyer des Staatsanwalts ungerührt angehört – starrte nach rechts, wo sein Verteidiger saß, verzog keine Miene.

Laut Gerichtsgutachter leidet Daniel V. am Asperger-Syndrom, einer autistischen Störung. Trotz seiner psychischen Erkrankung machte er aber klar: Daniel V. ist voll schuldfähig.

Sein Verteidiger Dr. Malte Heise (52) hatte auf eine Freiheitsstrafe von 8,5 Jahren plädiert, sagte: „Es ist schwer, eine menschliche Antwort auf das Schreckliche, Unfassbare zu finden. Die Justiz muss nun Recht sprechen.“

Bevor sich das Gremium um den Vorsitzenden Richter Norbert Göbel (54) zur Urteilsfindung zurückzog, ergriff Daniel V. noch einmal das Wort. Mit leiser Stimme behauptete er, erst im Laufe des Prozesses vom Ausmaß seiner Taten erfahren zu haben. Daniel V.: „Ich bin sehr schockiert, dass die Familie von Michelle so traumatisiert ist.“

Die Familie wechselte nur kurz nach dem sicheren Tod der kleinen Michelle den Wohnort. Doch die Eltern haben es bislang nicht geschafft wieder Fuß zu fassen. Sie haben keine Arbeit und keine sozialen Kontakte mehr.

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