Öl-Pest im Golf von Mexico: Neue Glocke nicht im Einsatz

Aus dem Bohr-Leck im Golf von Mexico sprudelt derzeit ungebremst Öl. Die neue BP-Glocke, die so viel Hoffnung auf ein baldiges Ende des ausströmenden Öls machte, sitzt derzeit zwar auf dem Bohr-Leck, doch ihre Funktionen sind nicht in Betrieb. Das Öl sprudelt ungehindert.

BP hat den so wichtigen Abschluss-Test für den gigantischen Absaug-Zylinder um einen Tag verschoben. Thad Allen, der von US-Präsident Barack Obama ernannte Sonderbeauftragte für die Bekämpfung der Ölpest, will wohl auf Nummer sicher gehen. Er fordert weitere Analysen.

Tatsächlich birgt die Aktion nämlich große Risiken. Das Bohr-Loch könnte erneut eine Explosion hervorbringen. Das soll unter allen Umständen verhindert werden.

Die Operation „könnte von zusätzlichen Berechnungen profitieren“, teilte er nach einem Treffen mit Regierungsbeamten, Wissenschaftlern und Geologen vorsichtig mit.

Noch immer gebe es Komplikationen. Eine etwa 48 Stunden lange Testreihe solle zeigen, ob der Ölfluss ins Meer aufgehalten werden könne. „Das ist einer der wichtigsten Tage seit Beginn der Operation gegen die Ölpest“, sagte Allen.

Wenn die Untersuchungen erfolgreich abgeschlossen sind, sollen die drei Ventile an der 68 Tonnen schweren Konstruktion langsam verschlossen werden. Alle Vorkehrungen dafür waren bereits getroffen.

Nach Angaben von BP-Manager Kent Wells hängt alles von einer Druckmessung ab. Der Zylinder habe drei Öffnungen, die nach und nach geschlossen würden. Sobald kein Öl mehr austrete, müssten verschiedene Tests durchgeführt werden. Steigt der Druck in dem Ventilsystem, sei das ein gutes Zeichen. Dann ließe sich das Bohrloch mit der Kappe versiegeln.

Fraglich ist, warum die Ingenieure das Leck nun doch gänzlich verschließen wollen und das austretende Öl nicht kontrolliert abtragen wollen. So könnte für BP sogar noch ein wirtschaftlicher Ertrag erzielt werden können, so fern das Öl verwertbar ist.

Sollte auch der Versuch mit der neuen Glocke scheitern, setzt BP auf zwei Entlastungsbohrungen, die bis Anfang August fertiggestellt sein sollen.

Doch eine Entlasungs-Bohrung birgt ebenfalls ein großes Risiko für Explosionen.

Die „Deepwater Horizon“ war am 20. April explodiert. Elf Menschen kamen dabei ums Leben. Zwei Tage später sank die Plattform und hinterließ ein Leck am Meeresgrund, aus dem täglich tausende Liter Rohöl sprudeln.

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