Schon wieder: Piloten verpennen Zielflughafen um 300km

Sie schlafen, sie tratschen, sie flirten und beschäftigen sich sonst mit hunderten Dingen, nur nicht mit ihrer Aufgabe, dem Fliegen. Schon wieder ist es in der Luftfahrt zu einem denkwürdigen Zwischenfall gekommen.

In den USA verpennten zwei Piloten ihren Zielflughafen um 300 Kilometer.

Experte berichten: Schlafende Piloten sind kein Einzelfall

Über eine Stunde lang, war das Cockpit der Maschine mit 159 Passagieren an Board nicht zu erreichen. Eigentlich sollten sie zu diesem Zeitpunkt schon längst in Minneapolis gelandet sein.

Pilot Richard Cole streitet alle Spekulationen ab: Er habe weder mit seinem Kollegen gekämpft, noch seien sie eingeschlafen, sagte er der Nachrichtenagentur AP. Den wahren Grund für den Irrflug wollte er aber auch nicht preisgeben. Nur so viel: Die Passagiere seien nie in Gefahr gewesen.

Was geschah wirklich im Cockpit von Flug NWA188?

Luftfahrtexperte und Ex-Pilot Barry Schiff: „Piloten machen gelegentlich kontrollierte Nickerchen!“

Sollten die beiden Piloten von Flug NWA188 wirklich eingeschlafen sein – es wäre nicht der erste Fall, meint Schiff. Und gegenüber der „Los Angeles Times“ zeigten sich viele Piloten verwundert, dass es nicht schon mehr „Pannen“ wegen schlafender Flugkapitäne gegeben habe.

Der Grund für „kontrollierte Nickerchen“: Immer längere Schichtzeiten und einfachere Handhabung der Flugzeuge.

Die Piloten verlassen sich blind auf den Autopiloten.

• Im Februar schoss eine Maschine mehr als 30 Kilometer über den Hilo-Airport auf Haiwai hinweg. 18 Minuten war niemand zu erreichen. Die Piloten gestanden später, dass sie sich öfter „geplante“ Nickerchen gönnen würden, diesmal aber unabsichtlich eingeschlafen seien.

• Im Jahr 2004 nickten zwei Piloten während eines Nachtfluges zwischen Baltimore und Denver ein. Geweckt wurden sie erst von den wilden Funksprüchen vom Tower.

• Unglaublich: Alle drei Piloten einer Boeing 747 nahmen sich auf einem Flug von Seoul nach Anchorage ein Mütze voll Schlaf. „Immer wenn ich aufwachte, schliefen auch die anderen beiden Piloten“, erklärte der Kapitän in einem anonymen Schreiben an die Flugaufsicht.

Im aktuellen Fall ermitteln jetzt FBI und die amerikanische Flugaufsichtsbehörde gegen die beiden mittlerweile suspendierten Piloten.

Ob der Stimmrekorder bei der Lösung des Rätsels helfen könnte, ist fraglich. Auf ihm sind nur die letzten 30 Minuten der Cockpitgespräche vor der Landung gespeichert, als die Piloten ihren Fehler längst bemerkt hatten.

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