Wegen Frikadelle gefeuert: Kündigung nach 34 Jahren

Der Bauverband Westfalen in Dortmund, Nordrhein-Westfalen, liefert sich derzeit einen erbitterten Streit mit Magdalene H. (59). Die Sekretärin wurde gefeuert, weil sie eine Frikadelle vom Buffet des Chefs naschte.

Juli 2009: Wie schon oft bereitet die Vorzimmerdame mit einer Kollegin einen Konferenz-Imbiss für ihren Chef und seine Gäste vor. Sie bekommt selber Hunger. Arglos nimmt sie zwei halbe Brötchen und einen Fleischklops, lässt es sich schmecken.

Später bemerkt allerdings ein anderer Mitarbeiter, dass Essen fehlt. Die Sekretärin wird zur Rede gestellt und räumt sofort ein, dass sie die fehlende Frikadelle gegessen hat.

„Sie war der Meinung, ihr Verhalten sei in Ordnung. Brötchen und Frikadellen, die nach Konferenzen übrig blieben, durften auch von den Mitarbeitern gegessen werden. Wenn sie ermahnt worden wäre, hätte sie das nie mehr gemacht“, sagt Anwalt Wolfgang Pinkepank (59), der die gefeuerte Sekretärin jetzt vor dem Arbeitsgericht vertritt.

Doch die Firma fühlt sich betrogen und hintergangen. Das Vertrauensverhältnis zu Magdalene H.sei schwer erschüttert. Die Kündigung soll unter allen Umständen aufrecht erhalten werden. Obwohl Magdalene H. 34 Jahre lang anstandslos für den Bauverband tätig war.

Anwalt Pinkepank: „Ein Ende des Arbeitsverhältnisses kommt für meine Mandantin nicht infrage. Sie ist 59 und wird keinen neuen Job mehr bekommen.“

Gestern trafen sich beide Parteien vor dem Arbeitsgericht zum Gütetermin. Sogar die Richterin machte sich für die Gefeuerte stark, schlug vor, die Kündigung in eine Abmahnung umzuwandeln: „Dies ist hier kein klassischer Diebstahl.“

Bauverbands-Geschäftsführer Hermann Schulte-Hiltrop (51) blieb knallhart: „Nach außen wirkt das natürlich wie eine Bagatelle. Wir haben hier aber hochsensible Daten zu verarbeiten. Und wenn Sie jemandem nicht mehr vertrauen, macht das kein gutes Gefühl.“ Der Prozess beginnt im Januar 2010.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.