Christian Wulff oder Joachim Gauck als Bundespräsident: Aalglatt gegen charakterstark oder umgekehrt ?

Horst Köhler hat in der vergangenen Woche sein Amt als Bundespräsident abgegeben. Während zunächst alles nach einer Bundespräsidentin Ursula von der Leyen aussah, kämpfen jetzt Christian Wullf und Joachim Gauck um das Amt des Bundespräsidenten.

Derzeit scheint Gauck einen echten Vorsprung zu haben. Die Gründe:

Joachim Gauck wird als parteiloser Kandidat ohne partei-gebundene Ambitionen präsentiert. Christian Wulff ist das genaue Gegenteil. Wulff wurde von Kanzlerin Merkel absolut berechnend für die Union aufgestellt. Er gehört zur alten, konservativen CDU-Riege, soll Merkel polititsch nicht in die Quere kommen, wäre daher als Bundespräsident und Unions-Mann gut aufgehoben.

Joachim Gauck wirk gegen den aalglatten Polit-Profi Wulff geradezu erfrischend natürlich. Er macht keine großen Reden, rückt gleich mit konkreten Ansichten heraus, ohne sich auf rot oder schwarz festzulegen.

Außerdem ist Gauck im Volk beliebt. Seine Laufbahn als ehemaliger DDR-Bürger, Revolutions-Pfarrer, Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR – als Gauck-Behörde vielen Bürgern bekannt, ist unvergessen. Gauck ist zudem Vorsitzender des Vereins „Gegen Vergessen – Für Demokratie“. Nach seiner Tätigkeit für die Gauck-Behörde kehrte er nicht ins politische Geschehen zurück, sondern füllte eine eigene TV-Sendung beim WDR.

Einziger Nachteil: Gauck gehört mit seinen 70 Jahren einer alternden Generation an, die mit der heutigen Jugend kaum mehr eine gemeinsame Basis findet, die 68er Generation. Verständnis für die Probleme der Jugend, Weitsicht für eine lebenswerte Zukunft, vor allem für die junge Generation, Fehlanzeige …

Gauck ist unterdessen aber mehr als überzeugt von sich:

In der Bildzeitung erklärt er in einem exklusiven Interview: „Ich habe die Gabe, Menschen zu ermutigen und sie dazu zu bringen, sich nicht von ihrer Angst bestimmen zu lassen. Wir sind geschaffen, für die Gemeinschaft Verantwortung zu übernehmen und nicht nach dem Prinzip ‚Ich darf alles‘ zu leben … Es geht in dem Amt, für das ich kandidiere, darum, Mut zu machen und zu versöhnen. Deshalb ist es gut, wenn der Bundespräsident mitten aus dem Volk kommt. So wichtig Parteien sind, dieses Amt sollte keine Beute von Parteien sein .“

Das ist also sein stärkstes Argument, Gauck vertritt keine Partei, sondern eine Generation, vielleicht das Volk …

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