Selbstmord von Robert Enke: Seine letzten Tage

Wie lange schon trug Robert Enke den konkreten Plan seines Selbstmordes in seinen Gedanken ? Bei welchen Gelegenheiten lächelte er in die Menge und träumte eigentlich davon, seinem Leben ein Ende zu bereiten.

Ein Rekonstruktion beleuchtete die letzten Tage im Leben des großen Nationaltorwarts Robert Enke, der nur mit 32 Jahren vor einen Regionalzug sprang und starb.

Seinen letzten Gruß schenkt der Sportler am Sonntagabend seinen Fans:

SONNTAG, 17.18 Uhr: In der AWD-Arena in Hannover – vor dem Abpfiff der Partie 96 gegen den HSV (2:2) – geht Robert Enke noch einmal an die Bande, klatscht mit den Zuschauern ab. In diesem Moment wirkt er glücklich. Er strahlt – das Lachen, das so viele an ihm liebten, zum letzten Mal.

Leider hat die Karrie von Enke nicht die gewünschte Wendung genommen. Zu seiner Nicht-Nominierung für die WM sagt er einem Reporter: „Dazu gibt es nichts mehr zu sagen. Das war vorher abgesprochen.“ Wo werden Sie die Länderspiele sehen? Enke: „Ganz entspannt zu Hause auf dem Sofa.“ Wieder das Lachen. Heute wirkt es anders.

MONTAG, 10.08 Uhr: Enke startet mit Trainer Andreas Bergmann, Konditions-Trainer Edward Kowalczuk und den Spielern Constant Djakpa, Sergio Pinto und Hanno Balitsch zu einer Laufrunde um den Maschsee (6,2 km). Anschließend Kraftraum im Stadion, dann Besprechung des Trainingsplans.

13 Uhr: Teresa Enke holt in der Reinigung „Moldenhauer“ in Neustadt am Rübenberge eine Bluse ab. Die Angestellte: „Sie war – wie immer – freundlich und höflich. Eine ganz nette Frau.“

18.05 Uhr: Enke besucht die Leichenschau „Echte Körper“ auf dem Expo- Gelände bei Hannover. Er bleibt etwa eine Stunde, hat Töchterchen Leila auf dem Arm. Teresa schiebt den Kinderwagen.

Hat Enke beim Anblick der Leichen auch daran gedacht, wie er wohl aussehen könnte, wenn er tot ist, wenn ihn der Regionalzug überrolt hat ?

DIENSTAG – DER TAG DES SELBSTMORDES: Berater Neblung erklärt mittags noch: „Robert trainiert heute zweimal.“ Doch das stimmt nicht. Es gibt keine Trainings-Termine. Neblung weiß nicht, dass Enke hat gar keinen Termin bei 96 hat, weder bei Fitnesstrainer Kowalczuk noch bei Torwart-Trainer Jörg Sievers. Das erfährt Neblung wenig später, als er bei 96 anruft.

15.30 Uhr: Neblung alarmiert Enkes Frau und die Polizei. Keiner weiß, wo Enke steckt. Nachmittags tankt er in Neustadt-Hagen an der Tankstelle Diepholz.

Erst um 18.07 Uhr wird er wieder gesehen. Kneipenwirt Fritz Schrader (57) vom „Gasthaus zum Bahnhof“ an der Straße Am Hüttenkrug in Neustadt-Eilvese: „Ich wollte zum Abendessen. Da habe ich ihn in seinem Mercedes-Geländewagen vorbeifahren sehen.“

Enke biegt in eine dunkle Stichstraße direkt neben den Gleisen, stellt den Wagen ab, steigt aus. Er lässt seine Geldbörse auf dem Beifahrersitz liegen, schließt das Auto nicht ab.

18.17 Uhr: Der Regionalexpress 4427 von Bremen nach Hannover rauscht mit 160 km/h heran. Der Zugführer sagt später, dass er eine Person auf den Gleisen gesehen habe. Ein weiterer im Führerhaus anwesender Zugführer leitet eine Notbremsung ein. Doch die Zugführer haben keine Chance Enke zu retten. Der Zug rollt über den trainierten Sportler-Körper hinweg.

Robert Enke ist tot.

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